“Der Landmaschinenhandel der Zukunft wird internationaler und professioneller“

Interview mit Guido Ottens von der AGRAVIS Technik Center GmbH

© AGRAVIS Raiffeisen AG

 

Die Landwirtschaft steht vor großen, strukturellen Veränderungen, die auch den Landmaschinensektor betreffen werden. Wie große Agrarhandelsunternehmen darauf reagieren können, erklärt uns Guido Ottens, Geschäftsführer der AGRAVIS Technik Center GmbH. Im Interview mit Agriaffaires spricht Guido Ottens über den Landmaschinenhandel im Internet, den europäischen Wettbewerb und die Angebote und Services, die AGRAVIS zu einem der erfolgreichsten Vermarkter von gebrauchter Landtechnik in Deutschland und ganz Europa machen.

Guido Ottens, Geschäftsführer der AGRAVIS Technik Center GmbH

Guido Ottens © AGRAVIS Raiffeisen AG

Herr Ottens, bitte stellen Sie uns die AGRAVIS Technik Center GmbH und den AGRAVIS-Konzern kurz vor.
Guido Ottens: Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist ein modernes Agrarhandelsunternehmen in den Kernsegmenten Agrarerzeugnisse, Tierernährung, Pflanzenbau und Agrartechnik. Sie agiert zudem in den Bereichen Energie, Bauservice und Raiffeisen-Märkte. Die AGRAVIS Raiffeisen AG erwirtschaftet mit 6.100 Mitarbeitern jährlich mehr als 7,4 Mrd. Euro Umsatz und ist als ein führendes Unternehmen der Branche mit rund 400 Standorten überwiegend in Deutschland tätig. Internationale Aktivitäten bestehen über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in mehr als 20 Ländern und Exportaktivitäten in mehr als 100 Ländern weltweit.
Die AGRAVIS Technik Center GmbH ist eine Tochtergesellschaft der AGRAVIS Raiffeisen AG und als Kompetenzzentrum für die Vermarktung gebrauchter Agrartechnik der 25 Agrartechnikgesellschaften mit mehr als 100 Niederlassungen sehr erfolgreich auf nationalen und internationalen Märkten tätig.

Welche Bedeutung hat das Internet für Sie/ für den Landmaschinenhandel?
Ottens: Das Internet hat für uns als Verkaufsmöglichkeit eine große Bedeutung. Der Großteil unserer Kundschaft informiert sich über das Internet. Wir können so am globalen Wettbewerb teilnehmen und es bietet gute Chancen, neue Zielgruppen zu gewinnen. Um unsere Maschinen erfolgreich anzubieten, nutzen wir verschiedene Vertriebskanäle, wie zum Beispiel Auktionsplattformen, Verkaufsplattformen und natürlich den Vertrieb über Onlinebörsen.

Warum nutzen Sie das Gebrauchtmaschinenportal Agriaffaires?
Ottens: Dazu müssen wir uns nur eine Frage stellen: Auf welchem Wege findet der Kunde seine gewünschte Landmaschine? Und einer dieser Wege ist zweifellos Agriaffaires. Das Portal hat 6,2 Millionen Besuche im Monat aus 160 verschiedenen Ländern. Natürlich möchten wir hier dabei sein und am Wettbewerb teilnehmen.

Hat der Wettbewerb mit den anderen europäischen Händlern zugenommen?
Ottens: Ja, das hat er. Mit Russland ist uns aus geopolitischen Gründen ein wichtiger Exportmarkt weggefallen. Durch den fehlenden Absatzmarkt steigt das Angebot in der Europäischen Union und der Preisdruck wird immer größer. In Westeuropa wachsen somit die Gebrauchtmaschinenbestände – deshalb ist es wichtig, neue Märkte zu finden.

Vor welchen Herausforderungen stehen Landmaschinenhändler heutzutage?
Ottens: Die Herausforderung wird sein, neue, internationale Wege zu finden, um Absatzmärkte für die Landmaschinen zu erschließen – und das nicht nur in Europa, sondern weltweit. Die größte Herausforderung und gleichzeitig Chance sehen wir im asiatischen Markt. Durch die schnelle Marktentwicklung in Asien ist das Marktpotenzial dort sehr hoch.

Wie sehen Sie die Zukunft des Landmaschinenhandels?
Ottens: Internationaler und professioneller. Im regionalen Markt wird es einen starken Wandel geben. In Zukunft wird es weniger Landwirte geben, die immer größere Einheiten bearbeiten. Für den Händler heißt das folglich, es sind weniger, dafür aber größere Maschinen gefragt. Zunehmende Automatisierung und Digitalisierung, bekannt unter dem Begriff „Precision Farming“ oder „Präzisionslandwirtschaft“, werden in der Landwirtschaft in Zukunft eine noch größere Rolle spielen.

Durch welche Services gewinnt und bewahrt die AGRAVIS das Vertrauen ihrer Kunden?
Ottens: Egal, ob bei der Maschinensuche vor Ort, online oder per Telefon – wichtig ist, dass die Kunden fündig werden und das Vertrauen zu uns haben, eine Maschine zu kaufen, auch ohne sie vorher gesehen zu haben. Dazu tragen auch die sogenannten „Länderbeauftragten“ bei, die mit den Kunden alle wichtigen Fragen auf Französisch, Polnisch, Englisch oder in einer von sieben weiteren Fremdsprachen direkt klären. Das Vertrauen ist oftmals über Jahre gewachsen und beruht auch darauf, dass die AGRAVIS nicht nur die Maschine, sondern das komplette Service-Paket von der Inzahlungnahme über die optische Aufarbeitung bis hin zur Inspektion anbietet (www.service-ist-unser-feld.de). Gebrauchtmaschinen werden bei uns genauso behandelt wie Neumaschinen, darauf legen wir großen Wert.

© AGRAVIS Raiffeisen AG

 

Können Sie Ihre Projekte atc-trader und ab-auction vorstellen?
Ottens: Um den Kunden die Suche nach der passenden gebrauchten Technik zu erleichtern, gibt es die Website www.atc-trader.com. Dort wird das komplette Gebrauchtmaschinenangebot aller AGRAVIS Technik-Gesellschaften online präsentiert.
Aus den mehr als 3.000 Maschinen und Geräten des AGRAVIS-Pools kann mit der Suche schnell und einfach die passende gebrauchte Technik herausgefiltert werden. Durch die Mehrsprachigkeit ist die Plattform auch für Kunden weltweit ein interessantes Tool, um auf unser Gebrauchtmaschinen-Angebot zurückgreifen zu können.
Unter www.ab-auction.com ist die gemeinsame Online-Auktionsplattform von AGRAVIS und BayWa zu finden. Seit Ende 2013 bieten wir ausgewählte Angebote aus dem gemeinsamen Sortiment von knapp 8.000 Maschinen. Seit Jahresbeginn 2015 bietet ab-auction.com neue Funktionen für unsere Kunden. Neben den beliebten Versteigerungen kann nun direkt online gekauft oder ein gewünschter Preis vorgeschlagen werden. Dafür wurde von uns – zusätzlich zu den Auktionsmaschinen – ein eigener Maschinenpool aufgebaut.
Um die neuen Funktionen auf ab-auction.com zu nutzen, können sich die Anwender kostenlos registrieren. Die Auktionen von ab-auction.com bleiben auch mit der Direktkauf-Option unverändert. Die Versteigerungen finden jeden Dienstag einer ungeraden Kalenderwoche ab 19 Uhr statt.

Welche Neuerungen planen Sie in nächster Zeit für diese beiden Portale?
Ottens: Dazu möchte ich nur sagen: Besuchen Sie uns vom 10. bis 14. November 2015 auf der Agritechnica in Hannover. Dort sind wir unter anderem mit beiden Portalen in Halle 20 vertreten und informieren Sie gerne über unsere Portale und deren verschiedene Angebote.

Vielen Dank für dieses Interview!

About Lisa Amhofer

Als Community Managerin und Bloggerin schreibe ich Artikel für den Blog von Agriaffaires. Ich interessiere mich für aktuelle Themen aus den Bereichen Landwirtschaft und Landtechnik. Auf unserem Agrar-Blog berichte ich deshalb über Traktoren und Co, deren Hersteller, aktuelle Ereignisse und Events und noch viel mehr!