“Um den Landmaschinenmarkt zu erobern, braucht man einen langen Atem”

Interview mit Mel McGlinchey, Vice President von Kubota Deutschland

Mel McGlinchey vor dem neuen Traktor

Die Agritechnica 2015 war für Kubota ein ganz besonderes Ereignis. Die japanische Firma startet nicht nur eine neue Traktorenserie, sondern lanciert auch viele andere Neuheiten, die alle das Ziel verfolgen, die Stellung von Kubota auf dem europäischen Landmaschinenmarkt zu festigen und auszubauen.
Agriaffaires hatte das Vergnügen, Mel McGlinchey, Vice President von Kubota Deutschland, zu treffen und mit ihm über die Grundpfeiler von Kubotas Geschäftsaktivitäten zu sprechen sowie über ihre Strategie im Bereich der Landwirtschaft.

Wie schätzen Sie die Tendenzen auf dem Markt für Landmaschinen in Deutschland ein?
McGlinchey: Von 2012 bis 2014 hat der Markt für Landmaschinen in Deutschland einen Aufschwung erlebt. Aufgrund von guten Erträgen und Preisen war die Nachfrage vonseiten der Landwirte hoch und sie waren bereit, in Landmaschinen zu investieren. Aber die Landwirtschaft unterliegt Zyklen, sodass auf Höhen oftmals Tiefen folgen. So erleben wir 2015 einen Abschwung, der durch die Entwicklungen auf den Märkten für Getreide und Milch mit dem Ende der Milchquote Anfang des Jahres bedingt ist. Die Getreidepreise sinken im Vergleich zum Vorjahr und erreichen ein, ich würde sagen, mittelmäßiges Niveau. Dies hat auch Auswirkungen auf den Landmaschinenmarkt, besonders die Traktoren, bei denen eine sinkende Nachfrage zu verzeichnen ist. Aber ich glaube, dass wir alle diese Entwicklung erwartet hatten und wir versuchen mit der Situation genauso umzugehen, wie die Landwirte es tun, und das Beste daraus zu machen. Für das nächste Jahr liegen noch nicht alle Prognosen vor, aber es ist möglich, dass der Landmaschinenmarkt noch um einige Prozentpunkte absinken wird.

Hat diese Situation einen Einfluss auf die Größe oder die Art der Maschinen, die derzeit gefragt sind?
McGlinchey: Was Kubota betrifft, so umfasst unser Angebot Traktoren mit Leistungen zwischen 0 und 140 PS. Auf der einen Seite haben wir unser Angebot an Kommunal- und Grünlandtechnik mit Traktoren mit bis zu 50 PS. Im Gegensatz zu den reinen Landwirtschaftstraktoren befindet sich der Markt für Kommunaltraktoren dieses Jahr im Aufschwung, da es der deutschen Wirtschaft relativ gut geht. In diesem Marktsegment ist Kubota gut positioniert. Wir sind sehr erfreut darüber, dass unsere Verkaufszahlen dieses Jahr ansteigen. Das liegt einerseits an dieser positiven Tendenz in der Wirtschaft und andererseits daran, dass wir im Jahr 2015 mehrere neue Modelle herausgebracht haben, die bei unseren Kunden auf große Resonanz gestoßen sind.

Was die Traktoren für die Landwirtschaft (50 bis 140 PS) angeht, so nimmt unser Markt ab, wie ich es bereits erläutert habe. Doch dank der Bemühungen unserer Händler und der Werbung für unsere Marke konnten wir eine steigende Anzahl an Landwirten in Deutschland erreichen, die vorhaben, in Maschinen von Kubota zu investieren. Mit dem Ergebnis, dass unser Marktanteil auch im Bereich der Traktoren von 50 bis 140 PS in Deutschland im Jahr 2015 zugenommen hat.

DSC01962

Hat die Firma Kubota besondere Schwierigkeiten, ihre Präsenz in Europa zu behaupten und zu stärken?
McGlinchey: Kubota ist seit mehreren Jahrzehnten in Europa präsent. Unsere Aktivitäten in Europa beruhen auf vier Grundpfeilern: erstens der Bereich der Kommunal- und Grünlandtechnik und zweitens der Bereich der Baumaschinen mit unseren Radladern und Minibaggern. In diesen beiden Sektoren sind wir seit langer Zeit präsent, die Marke und die Qualität unserer Produkte sind gut bekannt und unser Vertriebsnetz ist stark und motiviert.

Der dritte Grundpfeiler unserer Aktivitäten sind die Verbrennungsmotoren, die für Kubota von strategischer Bedeutung sind. Auch dieser Bereich hat dieses Jahr in Europa einen Aufschwung erlebt, unter anderem dank einer günstigen Preisentwicklung.

Unser vierter Geschäftsbereich sind die Landmaschinen. In diesem Sektor ist unsere Marke weniger bekannt und wir haben noch viel Arbeit vor uns, um unser Markenimage zu entwickeln und den Landwirten unsere Werte zu vermitteln. Dazu braucht man einen langen Atem: wir müssen auf lange Sicht in die Erweiterung unseres Produktangebotes für die Landwirte investieren. Damit haben wir 2012 mit unserer Investition bei Kverneland begonnen und es geht jetzt im Jahr 2015 weiter mit dem Start der Serie M7001, der Eröffnung unseres neuen Traktorenwerks in Frankreich usw. – “step by step”, wie man so sagt.

Außerdem möchten wir unsere Händler unterstützen, damit sie in diesem sehr wichtigen und sehr reifen Sektor wachsen können. Zwar haben wir schon ein sehr gut entwickeltes Händlernetz, doch einige Regionen werden davon noch nicht abgedeckt. Wir möchten diese Zonen bald abdecken, entweder indem wir den Zuständigkeitsbereich der vorhandenen Händler vergrößern oder indem wir neue Händler anwerben. Wir verfolgen also mehrere Strategien, um unseren Wunsch, in der Landmaschinenbranche zu wachsen, zu unterstützen.

Welche Rolle spielen Gebrauchtmaschinen in Ihrer Geschäftsstrategie?
McGlinchey: Gebrauchtmaschinen sind ein wichtiges Geschäft für alle Händler, egal von welcher Marke. Unsere Händler haben viel Erfahrung beim Verkauf von Gebrauchtmaschinen von Kubota, besonders im Bereich der Traktoren von 0 bis 140 PS. Unsere Gebrauchtmaschinen sind sehr gefragt und verkaufen sich gut. Doch die Vergrößerung unseres Angebotes wird auch Auswirkungen auf die Preise haben, mit denen unsere Händler zu tun haben. Die M7001-Traktoren zum Beispiel sind teurer als unsere anderen Traktoren – das wird auch für Gebrauchtmaschinen gelten. Daher müssen wir unseren Händlern dabei helfen, auch diese Produkte effizient und gewinnbringend zu verkaufen.

DSC01959

Welche Neuheiten präsentiert Kubota auf der Agritechnica?
McGlinchey: Kubota bringt dieses Jahr mehrere Neuheiten heraus und wir freuen uns sehr, sie hier auf der Agritechnica mit Ihnen teilen zu können. Unsere größte Neuheit ist natürlich der M7001. Diese Traktorenserie umfasst Modelle mit 130, 150 und 170 PS. Die Serie M7001 wird in unserem neuen Traktorenwerk in Bierne in Nordfrankreich hergestellt, wo unsere Produktion gerade gestartet ist. Das Werk wurde im vergangenen September von unserem Präsidenten Masatoshi Kimata eingeweiht.

Außer der Serie M7001 gibt es zwei weitere große Neuheiten. Eine davon sind unsere neuen Anbaugeräte. Wir beginnen jetzt die sogenannte “Phase 3” der Einführung unser Kubota-Anbaugeräte für die Landwirtschaft. Die erste Phase betraf Grünlandtechnik und in der zweiten Phase wurden neue Bodenbearbeitungsgeräte eingeführt. Hier auf der Agritechnica feiern wir die Weltpremiere unserer neuen Pflüge und Pflanzenschutzspritzen, die ab 2016 in Deutschland und Frankreich verkauft werden. Dank unserer Investition bei Kverneland konnten wir unser Angebot erweitern, den Bedürfnissen verschiedener Teilbereiche der Landwirtschaft gerecht werden und so die Bekanntheit von Kubota bei den Landwirten erhöhen.

Doch wir starten nicht nur neue Produkte, sondern auch neue Services. Unsere dritte große Neuheit ist daher der Start von “Kubota Finance”. Wir sind in fünf Ländern eine Partnerschaft mit der Bank BNP Paribas eingegangen: Deutschland, Frankreich, England, Spanien und Italien. In einem zweiten Schritt werden noch weitere Länder dazukommen. Wir freuen uns sehr, diese neue Partnerschaft anzukündigen und hier auf der Agritechnica “Kubota Finance” auf dem deutschen Markt zu lancieren. In diesem Rahmen bieten wir unseren Endnutzern, den Landwirten, Finanzlösungen an. So ermöglichen wir es ihnen, Landmaschinen zu sehr günstigen Tarifen zu finanzieren und so ihre Investitionen rentabler zu machen. In einem zweiten Schritt sind noch weitere Optionen denkbar, sei es die Finanzierung der Anschaffung von Gebrauchtmaschinen oder Lösungen, um den Händlern ihr Finanzmanagement zu erleichtern.

Vielen Dank für dieses Interview!

Entdecken Sie alle Neuheiten von Kubota hier:

About Lisa Amhofer

Als Community Managerin und Bloggerin schreibe ich Artikel für den Blog von Agriaffaires. Ich interessiere mich für aktuelle Themen aus den Bereichen Landwirtschaft und Landtechnik. Auf unserem Agrar-Blog berichte ich deshalb über Traktoren und Co, deren Hersteller, aktuelle Ereignisse und Events und noch viel mehr!