Drohnen in der Landwirtschaft: “Die Leute werden sie ganz einfach als Teil ihrer Arbeit akzeptieren”

Eine PrecisionHawk Drohne über einem Feld

Interview mit Dr. Ernest Earon

Dass Drohnen in der Landwirtschaft zukünftig an Bedeutung gewinnen werden, steht fest. Sie liefern den Landwirten wichtige Informationen zu ihren Pflanzen und sind somit bereits zu einem wichtigen Element in der landwirtschaftlichen Ausrüstung geworden. Agriaffaires hat Dr. Ernest Earon getroffen, den Gründer und technischen Leiter (CTO) von PrecisionHawk, einer auf Drohnen spezialisierten Firma, deren Fokus darauf liegt, Landwirten qualitativ hochwertige Daten zu liefern, wo und wann immer sie sie brauchen. Er sprach mit uns darüber, wie wichtig es ist, qualitative Daten zu sammeln und den Landwirten Analyse-Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, um diese Daten zu bearbeiten und zu verstehen, was auf dem Feld passiert.

Mithilfe von Drohnen werden Daten gesammelt. Können Sie uns ein paar konkrete Beispiele geben, welche Daten von Drohnen ermittelt werden können und wie diese dazu dienen können, um den Landwirten das Leben zu erleichtern?

Eines meiner liebsten Beispiele ist ein von einem Sturm verwüstetes Kornfeld. Früher verhandelte die Versicherung mit dem Landwirt, verglich mit vorherigen Vorfällen und kam so mit dem betroffenen Landwirt zu einer Einigung. Dabei war es nur eine grobe Schätzung der Schäden und des Anspruchs auf Entschädigung. Mit einer Drohne ist das alles viel einfacher: man lässt sie fliegen, sie sammelt die Daten, landet wieder und schon hat man alle Informationen zur Hand – eine komplette Übersicht über das Feld in nur 30 Minuten auf dem Smartphone.

Ein anderes gutes Beispiel ist die Kraut- und Knollenfäule. Diese Krankheit breitet sich sehr schnell aus und man sollte sie so schnell wie möglich feststellen. Derzeit ist es gängige Praxis, dass man, wenn die Wetterverhältnisse es verlangen, sofort Fungizide anwendet, um der Krankheit vorzubeugen, was eine sehr teure Angelegenheit ist. Die Leute gehen so vor, da die Krankheit innerhalb von 3 Tagen ein ganzes Feld befallen kann und dann ist die gesamte Ernte verloren. Mit einer Drohne kann man jeden Tag über das Feld fliegen und die Fungizide nur dann anwenden, wenn man die ersten Anzeichen der Fäule sieht und bevor sie sich so weit ausgebreitet hat, dass man nichts mehr gegen sie unternehmen kann.

Können nur große Betriebe Drohnen verwenden?

Nein, nicht unbedingt. Einer der Vorteile der Verwendung von Drohnen ist, dass sie qualitativ hochwertige Informationen bezüglich eines Gebietes sammeln können, selbst wenn es sich um eine relativ kleine Fläche handelt. Bei Maisfeldern ist es beispielsweise sehr schwierig, sich einen Überblick über den Zustand des reifen Mais zu verschaffen, indem man in das Feld hineingeht. Bei hochwertigeren Pflanzen, Gemüse, Melonen und anderen Früchten ist die richtige Zeit zum Ernten ausschlaggebend. Es kommt eben nicht nur auf die Größe des Betriebes an und auch für relativ kleine Betriebe können Systeme wie das unsrige einen großen Wert haben. Drohnen können für jeden Landwirt hilfreich sein, der in seinem Anbauprozess viele Informationen verarbeiten muss.

Können Drohnen unter allen klimatischen Bedingungen, mit allen Typen von Böden und Pflanzen eingesetzt werden?

Die Drohne selbst ist nur der Beginn des Informationsflusses. Sie sind nicht das ganze System, sondern nur der Ausgangspunkt und daher ist die Qualität der Ausgangsdaten natürlich ausschlaggebend dafür, wie gut der Informationsfluss anschließend sein wird. Aus diesem Grunde stellen wir unsere eigenen Drohnen her. Sie sind eigens dazu konzipiert, um hochwertige Daten zu sammeln. Es geht hauptsächlich darum, einen Sensor steuern zu können, der einem die Informationen gibt, die man braucht. Danach geht es weiter mit dem Analyse-Tool in der Cloud, um die Informationen zu verarbeiten. Also, ja, man könnte eine Drohne für alle Arten von Pflanzen und geographischen Zonen verwenden, wenn sie mit dem richtigen Sensor für das jeweilige Feld ausgestattet ist und sie die Daten in ausreichend hoher Qualität und Auflösung für die jeweiligen Verwendungszwecke sammelt. Am wichtigsten ist es, dass der Sensor und die Qualität der Aufnahmen gut genug sind, um bei der Analyse etwas Brauchbares herauszubekommen.

Welchen Regeln unterliegt die Nutzung einer Drohne im Moment? Braucht man eine Lizenz, um Drohnen fliegen lassen zu dürfen? Können Landwirte Drohnen ganz einfach über ihren Feldern einsetzen?

Das hängt davon ab, in welchem Teil der Welt man sich befindet. In verschiedenen Gesetzgebungen ist die Lage unterschiedlich. Ganz allgmein ist es jedoch in allen Ländern der Welt möglich, sich eine Drohne zu beschaffen, fliegen zu lassen und Daten zu sammeln. In manchen Ländern ist mehr administrativer Aufwand nötig als in anderen. Normalerweise kommen die Luftfahrbehörden zu einem guten Konsens und kleine Drohnen benötigen weniger Aufsicht als große Drohnen. Es werden viel weniger Lizenzen, Zertifikationen oder andere Voraussetzungen für die Bedienung einer Drohne benötigt als man es ursprünglich vermutete. Die meisten Regulierungsbehörden verlangen nicht mehr, dass Personen, die eine Drohne benutzen wollen, einen Pilotenschein machen müssen, obwohl sie dies ursprünglich vorgesehen hatten. Die Regulierungen gehen in eine sehr positive Richtung. In den meisten Ländern der Welt können Drohnen heutzutage relativ einfach in ländlichen Gebieten verwendet werden, was eine sehr positive Entwicklung ist.

Es gibt Drohnen in den verschiedensten Formen. Welchen Unterschied macht das für die Verwendung der Drohnen?

Ja, da gibt es eine ganz schöne Auswahl. Im Allgmeinen kann man zwei verschiedene Klassen unterscheiden: es gibt Drohnen, die die Form eines Flugzeugs haben, wie unsere Drohnen zum Beispiel. Der Vorteil dieser Drohnen ist, dass sie weiter fliegen und schwerere Gewichte tragen können. Wir haben uns für diese Art von Drohnen entschieden, denn in der Landwirtschaft ist es wichtig, mehrere hunder Hektar in einem einzigen Flug überfliegen zu können. Viele Menschen denken sofort an Quadrocopter oder Multirotoren, wenn sie das Wort Drohne hören, kleine Geräte mit vielen Rotoren. Diese Art von Drohne ist sehr einfach zu benutzen, da sie aus dem Stand abheben können. Man braucht sie nicht in die Luft werfen und sie kommen auch ganz gerade wieder herunter. Allerdings haben sie Schwierigkeiten, über einen längeren Zeitraum in der Luft zu bleiben, wenn sie schwere Lasten tragen. Das ist der Unterschied.

PrecisionHawk arbeitet daran, die Lücke zwischen diesen beiden Formen zu schließen, denn wir versuchen es, die Bedienung der Drohnen so einfach wie möglich zu gestalten. Wenn es nicht einfach und intuitiv ist und nicht zum Arbeitsablauf der Landwirte passt, werden sie das System nicht nutzen. Eine Sache haben wir sehr schnell gelernt: ganz gleich, wie gut ein System ist, wenn es nicht zu den täglichen Aufgaben der Landwirte passt, ist es für sie nicht nutzbar. Das ist unser Leitprinzip, auch für unsere Datenanalysen, unsere Cloud-Services und unsere Smartphone-Apps. All dies trägt dazu bei, es den Landwirten so einfach, intuitiv und natürlich wie möglich zu machen, Antworten auf ihre Problemstellungen zu finden.

Wie viel Hilfe und Zeit benötigt man, um zu lernen Lancaster, die Drohne von Precision Hawk, zu fliegen?

Wenn Sie einen Papierflieger werfen können, können Sie auch eine unserer Drohnen in die Luft werfen. Die Drohne nimmt die Flugplanung und Datensammlung ganz von alleine vor. Sie hebt ab und kommt von alleine wieder zurück. Sie schätzt die Wind- und Wetterverhältnisse ab. Sie findet den besten Weg, um den Betrieb zu überwachen und der Mensch muss eigentlich nie eingreifen und die Drohne selber steuern. Wir bieten eine mehrtägige Schlung an. Sie umfasst auch die Datenanalyse sowie Regulierungsarbeiten. Manche Regulierungsbehörden verlangen auch, dass die Nutzer ein Spielzeugflugzeug fliegen können, nur für den Fall, dass sie eingreifen und die Drohne steuern müssen. Diese Systeme werden immer einfacher zu verwenden und wir bei PrecisionHawk konzentrieren uns darauf, sicherzustellen, dass Landwirte über das Internet angeben können, welche Informationen sie interessieren. Diese Informationen werden dann an die Drohnen übertragen und man muss nichts programmieren. Man muss einfach nur mit der Drohne aufs Feld gehen, angeben, wo man sich befindet und sie fliegen lassen. Je nachdem, welche Daten oder Antworten man bekommen möchte, fliegt die Drohne unterschiedlich, um die passende Antwort zu finden.

Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis alle Landwirte Drohnen einsetzen werden?

Ich bin der Ansicht, dass diese Technologie die Arbeitsweise der Landwirte nachhaltig verändern wird. Sie werden zurückblicken und sich fragen: “Wie bin ich je ohne ausgekommen?”, ganz ähnlich wie es mit selbstfahrenden Traktoren der Fall ist. Wenn vor zehn Jahren jemand gesagt hätte “Ich lasse meinen Traktor selbst fahren”, hätten viele Leute gesagt: “Du bist doch verrückt”. Doch heute hält man jemanden für verrückt, der kein automatisches Lenksystem verwendet. In zehn Jahren werden Drohnen meiner Meinung nach sehr weit verbreitet sein. Die Leute werden sie als selbstverständlich ansehen und sie ganz einfach als Teil ihrer Arbeit akzeptieren.

About Lisa Amhofer

Als Community Managerin und Bloggerin schreibe ich Artikel für den Blog von Agriaffaires. Ich interessiere mich für aktuelle Themen aus den Bereichen Landwirtschaft und Landtechnik. Auf unserem Agrar-Blog berichte ich deshalb über Traktoren und Co, deren Hersteller, aktuelle Ereignisse und Events und noch viel mehr!